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Games Convention Leipzig Europa-Treffen der Spiele- und Business-Nerds – die zweite Games Convention (GC) in Leipzig. Gut: Die Videospielmesse etabliert sich, der Branche geht es soweit gut. Komisch: Nintendo, Microsoft und Sony halten sich jeweils nach eigenen Berechnungen und Aussagen irgendwie, irgendwo, irgendwann für die Nr. 1 im Geschäft.Kennt noch wer den Cartoon Pinky & Brain – diese beiden Labormäuse mit Hang zur Weltherrschaft? Brain erinnerte mich früher nicht nur optisch an Bill Gates. Diese Metapher tauchte nun wieder auf.
 Xbox-Pressekonferenz auf der GC, die Veranstaltung ist eine saubere Kopie der Schlüsselszene jeder Pinky & Brain-Folge. Abends im Käfig der Labormäuse: Hey Brain, was machen wir heute Abend? Dasselbe wie jeden Abend Pinky, wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen. Nur: Statt Mäusen sind Marketing-Manager im Käfig. Und der Plan, Brain? Ach, ein bisschen Event-Marketing und die totale Vernetzung durch die Modifizierung von Xbox Live! Das Headset als Quasi-Telefon nutzbar machen. So kann man seine Xbox-»Freunde« schon vor Spielbeginn über die Größe von Genitalien in Kenntnis setzen, um den reibungslosen Spielablauf zu gewährleisten. Heißt dann »Live Now«. Außerdem darf man künftig auch offline spielende Freunde ausspionieren und umgehend zu einem Online-Match einladen. Heißt dann »Live Aware«. Mit Game Clips wird die perfekte Rennrunde aufgezeichnet und danach weltweit downloadbar gemacht. Angeber freuen sich, weil theoretisch jeder Live-Spieler offline gegen den weltschnellsten Ghost antreten kann.
 Dummerweise erinnern die Features teils unangenehm an totalitäre Überwachungsszenarien, entwickeln aber ihren Humor. Man muss halt immer wachsam sein. Schlimm wird es erst mit dem Konzept der Xbox-Lounges. Marketing-Brain erklärt: In Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf wird sehr bald je eine Lounge in noch nicht näher definierten Szene-Vierteln eröffnet. Die Läden sind komplett mit eigens designten Xbox-Möbeln ausgestattet. Diverse Live-Konsolen vervollständigen den zeitlos chilligen Techno-Look in Neon-Grün. Getränke wahrscheinlich zu marktüblichen Preisen. Die Läden zunächst 100 Tage öffnen. Starttermin ist »ein ganz besonderer Tag« (Brain), der 03. Oktober 2003. Einigkeit und Recht und Xbox für das deutsche … tja, das passiert, wenn Marketing gleichzeitig Underground, Pop und freundlich sein will.
 Besser ist das neue Xbox-Leitmotiv: »It's good to play together«. Wie wahr! Und nun? Pressekonferenz von Sony. Fun, anyone? Neuer Claim. Klar, die Marke muss repositioniert werden. Spaß verstehen alle. Weg vom Third Place, vom Egozentrik-Gamer, hin zum gesellschaftlichen Event, zum Massenmarkt. Die zentrale These: Videogames sind die Gesellschaftsspiele des 21. Jahrhunderts. Gratulation, auch schon gemerkt. Dafür kein Wort zum für 2004 geplanten Handheld PSP, aber einige zur PSX – der 2004 erscheinenden Luxus-Playstation mit integriertem DVD-Recorder, TV-Tuner und 120GB-Festplatte. Preis? Unklar, aber bestimmt sauteuer! Eines muss man Sony trotz aller Arroganz eines selbst inthronisierten Marktführers allerdings lassen: Was Ideen und Style angehen, sind sie nicht zu schlagen. Wieder den schicksten Messestand gehabt und mit EyeToy die innovativste, lustigste Neuheit mit so viel Potenzial im Portfolio. Wenn EyeToy online geht, geht gar nichts mehr!
 Womit das Ende der Achse und Pressekonferenzen erreicht wäre: Ankunft bei den Guten, hallo Nintendo. Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren, wir sind nicht tot, der Gamecube wird nicht eingestellt, wir gehen nicht unter. Okay – angesichts der fehlenden Weltherrschaftspläne schwer zu glauben, die denken ja irrsinnigerweise immer noch nicht an den Onlinemarkt. Nintendo setzt da lieber auf Connectivity. Gamecube an den Gameboy Advance gestöpselt, Gamecube auf den GB-Player gestöpselt, Gamecube an Gamecube gestöpselt. Stöpselt ihr mal, ihr seid schließlich auch so nett. Trotz Pokémon. Und obwohl ihr die Nerven hattet, eine tolle Konsole auf den Markt zu bringen – und dann ein Jahr lang so gut wie keine ordentlichen Spiele. Aber diese Durststrecke (Wind Waker ausgenommen) ist geschafft, das Lineup verspricht endlich exklusives Futter für den Würfel. Christian Gaca
Veröffentlicht in "SPEX" (Print), Oktober 2003 | Link zu Online-Artikel: www.spex.de
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