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The Best Okay, ich will eigentlich nicht, aber es muss wohl sein: Ich muss aufhören, »The Legend Of Zelda – The Wind Waker« (Nintendo; Gamecube) zu spielen. Muss darüber schreiben. Vielleicht sollte ich aber professionelle Hilfe zu Rate ziehen. Eine Psychologin, die zweifelsfrei analysiert, warum einen das Spiel so langsam und freundlich aus dem realen Leben schubst. Hmm, vielleicht doch die Psychologin. Ich würde ihr erzählen, dass ich solche Märchengeschichten wie bei Zelda eigentlich ein bisschen kindisch finde. Mal wieder die Welt vor den bösen Mächten der Finsternis retten – und nebenbei noch eine Prinzessin, in die ich mich am Ende verliebe, aber dann feststelle, dass es dummerweise meine Schwester ist. Doch ohne einen irgendwie derart gestrickten Plot geht es wohl nicht.

Also, kurzer Blick aus dem Fenster. Die Sonne scheint. Ich ziehe die Vorhänge zu und mache mich auf die Reise. Steche in die Pixel-See nebst sprechendem Drachenboot. 49 Quadrate bestimmen nun den Tag, so groß ist die Seekarte, so groß ist die Zelda-Welt. Ich erkunde stundenlang jeden Quadratmeter des Ozeans mit seinen unzähligen kleinen Inseln. Trotze Blitzen und Sturm, besiege Riesenkraken, Haie und Piraten. Freue mich über jede Welle, hinter der ein neuer Handlungsstrang wartet, eine neue Side-Quest: Tauschgeschäfte jeder Art, Auktionen, Fragmente sammeln und immer wieder als Karajan-Junior mit dem Zauberstab in der Hand den Himmel um Hilfe bitten. Damit da der Überblick nicht verloren geht, landen alle wichtigen Missionen auf einem kleinen Zettel. Das hat schon früher immer geholfen.

Eingelullt von der liebevollen Märchen-Story treibt es mich immer noch über den Ozean, auf der Suche nach den letzten Herz-Teilen. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich auf einer Insel rumstehe und nur so zum Spaß Bomben explodieren lasse, denn die Explosionen sehen einfach unfassbar schön aus. Wie das gesamte Spiel überhaupt grafisch in seiner ganz persönlichen Liga spielt. Erst habe ich geglaubt, dass der Cel-Shade-Comic-Style nicht funktionieren kann. Dann die perfekte Mimik des kleinen Link gesehen. Und mich am Ende gefragt, warum Zelda nicht schon immer so ausgesehen hat.

Ob ich die Mutter aller Side-Quests schaffe und alle lebenden und toten Wesen im Spiel fotografiere, um dann in der Nintendo-Galerie Figuren daraus schnitzen zu lassen? So verrückt bin ich dann doch nicht. Außerdem musste ich das der Psychologin versprechen. Ein japanischer Kritiker hat geschrieben, dass er nach dem Durchspielen von Wind Waker Tränen in den Augen hatte. Ist vielleicht übertrieben, aber ich glaube ich weiß, worauf er hinaus wollte.

The Rest Den Anfang macht eine Zeitreise in die 50er Jahre mit »War of the Monsters« (PS2, SCEE), eine Fusion aus Godzilla-B-Movie-Horror und Rampage für C64. Hört sich viel netter an, als es am Ende ist. Größtes Manko der Großstadt-Prügelei: Im Spiel sieht alles fies futuristisch aus, womit das ganze Flair des Retro-Intros futsch ist. Trotzdem: ein ordentlicher Multiplayer-Spaß. Als echter Rocker entpuppt sich das Rennspiel »Midnight Club II« (PS2+Xbox, Rockstar), liefert illegale, superschnelle Straßenrennen in LA, Paris und Tokyo. Als Spielprinzip ist schöpferische Freiheit gefragt, es gibt nämlich in keinem Rennen einen vorgegebenen Weg ins Ziel. Das Beste: Die Macher der GTA-Serie lassen uns MC II online spielen!

Mit »Enter The Matrix« (alle Formate; Infogrames) wird uns endlich Zugang zur Matrix gewährt. Dummerweise sind Spiele zu Filmen (und umgekehrt) von oft zweifelhafter Qualität (siehe Minority Report). Also abwarten, ob die bei der Produktion als Style-Polizisten konsultierten Wachowski-Brüder das Action-Spiel haben so gut werden lassen wie ihren Film. Publisher ist die französische Firma Infogrames, die nach dem Motto »Twix heißt jetzt wieder Raider« handelte und sich kurzerhand in Atari umtaufte. Welcome back! Unruhe unter den Bürgern von Konsolien stiften seit einiger Zeit Gerüchte über die Next-Gen-Konsolen. Allerdings sind »PS3« und »Nintendo Nexus« sowie die dazugehörigen Fotos nur Internet-Legenden. Offenbar aber so gute, dass ein paar ganz Clevere doch tatsächlich eine PS3 auf ebay ersteigern wollten. Doch: Die von der US-Firma Infinium Labs im Januar erstmals angekündigte »Phantom Konsole« ist wohl keines. Außer reichlich heißer Luft haben die Amis zwar bis dato nichts vorzuweisen, aber immerhin gibt’s mittlerweile eine offizielle Website (www.infiniumlabs.com). Das Phantom soll nun endgültig im Sommer(-loch) präsentiert werden.

Zum Glück Japan only ist das PS2-»Spiel« »Motion Gravure«. Man nehme knapp 1000 Bilder einer japanischen Pop-Heldin, mache aus dem Controller eine virtuelle Kamera und lasse Spieler zoomen, rumschwenken und das Mädel ausziehen. Autsch! Schmerzen hat auch Sega: Die Sängerin Lady Kier (Deee-Lite) hat den Konzern nämlich auf 750.000 US-Dollar Schadenersatz verklagt. Grund: Kier meint, Space Channel 5-Heldin Ulala sähe ein bisschen zu sehr aus wie sie selbst. Zudem will Kier im Mai 2000 ein Sega-Angebot zum Kauf der Nutzungsrechte ihres Aussehens über 15.000 US-Dollar abgelehnt haben. Da ist wohl wem das Geld ausgegangen… das Urteil steht noch aus. Christian Gaca




Veröffentlicht in "SPEX" (Print), Juni 2003 | Link zu Online-Artikel: www.spex.de
 

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