Schrott kaufen auf eBay im Paralleuniversum

30. Mai 2008 | 09:39

Als alter Freund von Paralleluniversen (ich empfehle „Ubik“ von Philip K. Dick zur vertiefenden Lektüre) sind mir Videospiele seit Jahren ein willkommener Fluchthelfer aus der Realität. Da kann (und darf) man machen, was in der Wirklichkeit nicht geht. Eine kleine, einfache Wahrheit – die in den letzten Wochen zunehmend torpediert wird durch das Gegenteil. Ich kann (und muss) im Paralleluniversum Videospiel exakt das langweilige Gleiche machen wie im echten Leben. Mails checken und im Internet surfen etwa („GTA IV“). Mindestens 250 Internetseiten soll das Fake-Net dort haben, Spam-E-Mails und nervige Post von der Familie inklusive.

Gestern wollte ich fliehen und hab’ ausgiebig „GRID“ gespielt, den neuen Action-Racer von Codemasters. Endlich mal wieder ohne Rücksicht aufs Tempolimit durch die Stadt brettern. Kisten umnieten (die stehen tatsächlich immer noch nutzlos in Games rum) und den Vordermann als Kurvenbremse missbrauchen. Besonders parallelunivers im positiven Sinn: Wenn etwas schief geht im Chaos, reicht ein Knopfdruck und man darf die Zeit anhalten, sie zurückspulen und ein paar Sekunden vorher wieder ins Rennen einsteigen. Total Recall auf der Rennstrecke, das ist top! So will ich zocken! Ohne ans echte Leben erinnert zu werden.

Ein paar Minuten später hatte mich die reale Realität dann doch wieder eingeholt, beim Autokauf. Im virtuellen „GRID“-Autohaus gibt es nämlich Neuwagen und Gebrauchtwagen. Und die Gebrauchtwagen kauft man wo? Genau: auf eBay! Auf den ersten Blick eine tolle Idee für Product Placement, gut umgesetztes In-Game-Advertising sollte man meinen. Prima in den Spielfluss integriert. Nicht nervig, sondern amüsant, mit bezug zur Realität. Schließlich kauft man auch im echten Leben häufig auf eBay – jedenfalls als Kind der Generation @. Doch ganz so schlau gemacht ist es am Ende leider doch nicht.

Denn die zu gebrauchenden Gebrauchtwagen sind häufig sogar etwas teurer als ein gleichwertiger Neuwagen, und das ohne erkennbare Gründe. Lustigster noch verhält es sich bei den Krücken. Netterweise bekommt man vor dem ersten Kauf angesagt, keine Wagen mit mehreren Totalschäden zu kaufen. Angeboten werden die rollenden Schrotthaufen dennoch immer. Zu Preisen nur knapp unter denen eines Neuwagens…

Product Placement von eBay in GRID von Codemasters

Die große Frage ist: Was will mir eBay nun damit eigentlich mitteilen? Was soll hier kommuniziert werden? Ist das alles eine ehrliche Warnung, damit ich lerne, richtig und schadlos auf eBay einzukaufen? Könnte sein, schließlich dient Werbung seit Jahren auch der Erziehung der eigenen Kundschaft. Vielleicht ist das Angebot bei eBay Motors auch real entweder häufig überteuert oder schrottig und teuer? Jedenfalls führt die Werbebotschaft für mich direkt zu dieser Erkenntnis – überzeugt mich aber irgendwie nicht davon, künftig mein Auto über eBay zu erwerben.

Bleibt noch eine Ãœberlegung: Womöglich ist die Zielgruppe der Werbung gar nicht der Käufer, sondern der Verkäufer. Für den ist ein oben skizziertes Geschäft natürlich sehr lukrativ. Gestützt wird diese These durch ein Achievment in der Xbox-Version. Es heißt „Verkaufsprofi“. Ziel ist: Verkaufe ein Auto für mehr Geld, als du dafür bezahlt hast. 25 Punkte gibt es für die erfolgreiche Abzocke. Wenn das mal keine gelungene Kommunikation im Kontext eBay ist…

Rubrik: Praxis

Fallstudie zur Akzeptanz von In-Game-Advertising in und mit BMW M3 Challenge

1. April 2008 | 23:27

Jogo Media, Anbieter von In-Game-Advertising-Lösungen, hat eine Akzeptanzstudie über das im eigenen Haus betreute, kostenlose Advergame BMW M3 Challenge von 10Tacle veröffentlicht. Die Auswertung von knapp 5000 Forumeinträgen auf sechs (allerdings tendenziell von stark involvierten Usern freqentierten) Webseiten über fünf Monate zeichnet ein deutlich positives Ergebnis. Die Forenbeiträge wurden nach Gefühlsäußerungen gescannt und in drei Gefühlswelten (positiv/negativ/neutral) einsortiert. Die Meinungen über das Spiel selbst waren zu 68% positiv. Die Marke BMW wurde in den Communities zu 75 % positiv bewertet. Auch in den Plot des Spiels integrierte Marken wie der Stoßdämpferhersteller Bilstein (dessen Fahrwerk die Fahrleistungen signifikant steigert) wurden in zahlreichen Beiträgen positiv zitiert. Jogo Media schließt aus der Studie, dass In-Game-Advertising von Spielern akzeptiert wird. BMW M3 Challenge selbst sei ein außergewöhnliches Beispiel, wie gut In-Game-Advertising zur Imagebildung von Marken beitragen könne. Die Studie kann unter http://www.jogomedia.com/news/m3challenge/ heruntergeladen werden.

Rubrik: Business

Sony öffnet In-Game-Advertising-Plattform der PS 3 für Vermarkter

25. Februar 2008 | 15:07

Sony Computer Entertainemt bietet ab sofort eine offene In-Game-Advertising-Plattform an, die von den In-Game-Advertising-Vermarktern Double Fusion, IGA Worldwide und AdScape dazu genutzt werden kann, um Werbung in PS3-Games zu verkaufen. Es wird erwartet, dass alle drei Unternehmen schnell versuchen werden, Kooperationen vor allem mit den großen Publishern von PS3-Games wie EA, Activision und Ubisoft einzugehen. Die Vermarktung des In-Game-Advertising in eigenen Titel übernimmt Sony dagegen selbst.

Die Öffnung der Plattform ist ein strategisch völlig anderer Ansatz, als ihn die Konkurrenz bei Microsoft fährt. Das In-Game-Advertising für Xbox 360 wird zu großen Teilen über den eigenen Vermarkter Massive Inc. geregelt.

Quelle: Advertising Age

Rubrik: Business

Peugeot Design-Studie Flux als kostenloser Download für PGR 4

8. Februar 2008 | 17:52

Bizarre Creations hat heute bekannt gegeben, dass am 14. Februar zwei Download-Pakete für Project Gotham Racing 4 (PGR 4) veröffentlicht werden. Eins davon ist kostenlos und enthält neben zwei neuen Gamemodi und sieben Achievments ein neues Auto - und zwar den Peugeot Flux.

Product Placement von Peugeot in PGR4 von Bizarre Creations

Bei dem futuristischen Gefährt handelt es sich um eine Design-Studie, die 2007 im Rahmen der International Design Competition zum Sieger gekürt wurde. Ein Teil des Preises war die Integration des Wagens in PGR 4.

Perfektes Product Placement für Peugeot, perfektes Add-On für den Fuhrpark von Bizarre. Im Resultat eine klassische Win-Win-Situation, die Teil einer umfangreicheren Marketingkooperation zwischen Microsoft und Peugeot ist. Hierzu gehörte auch eine umfangreichere, gemeinsame Messepräsentation auf der IAA in Frankfurt, wo auch ein 1:1-Modell des Flux zu bestaunen und besteigen war - im Cockpit ist nämlich eine Xbox 360 verbaut. Man könnte vermuten, dass Peugeot nun auch als Sponsor des Umsonst-Downloads auftritt, aber dem ist nicht so, will man Ben Ward glauben, dem allwissenden Community-Manager bei Bizarre Creations. Ihm zufolge will vielmehr Microsoft seiner Live-Usern etwas Gutes tun. Na dann, fröhliches Downloaden allerseits.

Rubrik: Praxis

Reality Check: Mit dem Yaris gegen die Wand

28. Januar 2008 | 23:49

Der Reality Check ist eine persönliche Bewertung aktueller und vergangener Beispiele von In-Game-Advertising. Heute: Yaris

FAKTEN:
Art des In-Game-Advertising: Advergame
Markenartikler: Toyota Motor Sales, U.S.A., Inc.
Spielepublisher: Toyota Motor Sales, U.S.A., Inc.
Entwickler: Backbone Entertainment
System: Xbox Live Arcade, Microsoft Xbox 360

In-Game-Advertising Toyota Yaris

Der erste Impuls war toll. Yeah, endlich ein vollwertiges Advergame in der Xbox Live Arcade. Werbespiele waren als Instrument des In-Game-Advertising für Konsolenspiele lange von den Markenartiklern vernachlässigt worden. Aber der Erfolg der Burger-King-Kampagne von Crispin Porter + Bogusky (dafür gab’s beim 54. Cannes Lions International Advertising Festival mit dem Titanium Grand Prix übrigens eine der höchsten Auszeichnungen des Festivals überhaupt) aus dem Jahr 2006 ließ aufhorchen. Käufer eines Value Meals konnten damals für den „Selbstkostenpreis“ von 3,99 US-Dollar zusätzlich eines von drei Advergames erwerben, die im Auftrag von Burger King exklusiv für Xbox 360 und Xbox entwickelt wurden. Verpackung und Look & Feel sind an Vollpreisspiele angelehnt, spielerisch taugen die nur in den USA erhältlichen Advergames wenig, die Fachpresse vergab durchschnittlich Wertungen um die 50-%-Marke. Normalerweise ist das ein wirtschaftliches Todesurteil, nicht so in diesem Fall: Nach eigenen Angaben hat Burger King mindestens 3,2 Millionen Exemplare von Sneak King, Big Bumpin’ und Pocketbike Racer verkauft – und so die sicherlich nicht billige Around-Game-Advertising-meets-Advergame-Kampagne ordentlich gegenfinanziert.

Die Gegenfinanzierung freilich durfte Yaris als völlig kostenfreies, reinrassiges Advergame erst gar nicht in Angriff nehmen. Vermutlich ist das auch besser so gewesen. Denn Yaris ist schlicht schlimm - dummerweise eigentlich nur, weil es einfach überhaupt nicht auch nur ein bisschen Spaß macht. Sonst hat Toyota aus strategischer Sicht fast alles richtig gemacht. Einen fähigen (nur offenkundig nicht übermäßig talentierten) Spieleentwickler beauftragt, ein eigenes Rennspiel zu entwerfen, um die Markteinführung des neuen Yaris nach eigener Vorgabe zu begleiten. Mit der Xbox Live Arcade einen bis dato unbesetzten Kanal identifiziert und die dortigen Gepflogenheiten befolgt (allen Mitgliedern, ob Silber oder Gold, das Spiel geschenkt).

Bei all dem eben nur vergessen, dass ein mieses Geschenk ein mieses Geschenk bleibt. Da hilft auch nicht, dass Mediakampagnen über Xbox Live quantitativ bestens ausgewertet werden können. Aber mal ehrlich: Natürlich haben das Spiel zigtausend MS-Arcadianer gezogen - aus profanem Interesse, weil es umsonst ist oder weil vielleicht 200 schnell verdiente Gamerpunkte warten. Die Antwort auf die Frage, was ein durchschnittlicher Gamer nach dem Konsum von Yaris über die Marke Yaris denkt, wenn sie von einem derart schlechten Spiel repräsentiert wird, muss man wohl qualitativ nicht mehr erheben. Hier zeigt sich mal wieder, dass man vielleicht vorher mal ein paar andere Fachleute als nur die Testcrew des Entwicklers nach einer ehrlichen Meinung hätte fragen sollen.

zockt-Zitat: Klassisch gegen die Wand gefahren.

In-Game-Advertising Toyota Yaris

In-Game-Advertising Toyota Yaris

In-Game-Ads finanzieren kostenloses “Battlefield Heroes”

21. Januar 2008 | 15:08

EA schickt mit dem PC-Spiel “Battlefield Heroes” eine seiner Topmarken ins Kostenlos-Segment. Ab Sommer 2008 wird der Cartoonshooter (ein Look wie “Team Fortress 2″) auf www.battlefield-heroes.com gratis zum Download angeboten. Das von der schwedischen EA-Tochter DICE entwickelte Spiel ist der Testballon für ein neues EA-Geschäftsmodell, im besten Business-Jargon von EA als “das Web basierte gratis Download-und- gratis-spielen Geschäftsmodell” bezeichnet. Umsätze sollen über In-Game-Advertising und Micro-Transactions generiert werden. Kein schlechter Move, denn Battlefield ist ein bei Shooter-Fans extrem beliebtes Franchise - und an Werbung sind sie auch schon gewöhnt, denn in “Battlefield 2142″ gerieten immer mal wieder Werbebanner ins Fadenkreuz.

Rubrik: Business