Archiv: 'Reality Check'

Reality Check: Mit dem Yaris gegen die Wand

Montag, 28. Januar 2008 | 23:49

Der Reality Check ist eine persönliche Bewertung aktueller und vergangener Beispiele von In-Game-Advertising. Heute: Yaris

FAKTEN:
Art des In-Game-Advertising: Advergame
Markenartikler: Toyota Motor Sales, U.S.A., Inc.
Spielepublisher: Toyota Motor Sales, U.S.A., Inc.
Entwickler: Backbone Entertainment
System: Xbox Live Arcade, Microsoft Xbox 360

In-Game-Advertising Toyota Yaris

Der erste Impuls war toll. Yeah, endlich ein vollwertiges Advergame in der Xbox Live Arcade. Werbespiele waren als Instrument des In-Game-Advertising für Konsolenspiele lange von den Markenartiklern vernachlässigt worden. Aber der Erfolg der Burger-King-Kampagne von Crispin Porter + Bogusky (dafür gab’s beim 54. Cannes Lions International Advertising Festival mit dem Titanium Grand Prix übrigens eine der höchsten Auszeichnungen des Festivals überhaupt) aus dem Jahr 2006 ließ aufhorchen. Käufer eines Value Meals konnten damals für den „Selbstkostenpreis“ von 3,99 US-Dollar zusätzlich eines von drei Advergames erwerben, die im Auftrag von Burger King exklusiv für Xbox 360 und Xbox entwickelt wurden. Verpackung und Look & Feel sind an Vollpreisspiele angelehnt, spielerisch taugen die nur in den USA erhältlichen Advergames wenig, die Fachpresse vergab durchschnittlich Wertungen um die 50-%-Marke. Normalerweise ist das ein wirtschaftliches Todesurteil, nicht so in diesem Fall: Nach eigenen Angaben hat Burger King mindestens 3,2 Millionen Exemplare von Sneak King, Big Bumpin’ und Pocketbike Racer verkauft – und so die sicherlich nicht billige Around-Game-Advertising-meets-Advergame-Kampagne ordentlich gegenfinanziert.

Die Gegenfinanzierung freilich durfte Yaris als völlig kostenfreies, reinrassiges Advergame erst gar nicht in Angriff nehmen. Vermutlich ist das auch besser so gewesen. Denn Yaris ist schlicht schlimm - dummerweise eigentlich nur, weil es einfach überhaupt nicht auch nur ein bisschen Spaß macht. Sonst hat Toyota aus strategischer Sicht fast alles richtig gemacht. Einen fähigen (nur offenkundig nicht übermäßig talentierten) Spieleentwickler beauftragt, ein eigenes Rennspiel zu entwerfen, um die Markteinführung des neuen Yaris nach eigener Vorgabe zu begleiten. Mit der Xbox Live Arcade einen bis dato unbesetzten Kanal identifiziert und die dortigen Gepflogenheiten befolgt (allen Mitgliedern, ob Silber oder Gold, das Spiel geschenkt).

Bei all dem eben nur vergessen, dass ein mieses Geschenk ein mieses Geschenk bleibt. Da hilft auch nicht, dass Mediakampagnen über Xbox Live quantitativ bestens ausgewertet werden können. Aber mal ehrlich: Natürlich haben das Spiel zigtausend MS-Arcadianer gezogen - aus profanem Interesse, weil es umsonst ist oder weil vielleicht 200 schnell verdiente Gamerpunkte warten. Die Antwort auf die Frage, was ein durchschnittlicher Gamer nach dem Konsum von Yaris über die Marke Yaris denkt, wenn sie von einem derart schlechten Spiel repräsentiert wird, muss man wohl qualitativ nicht mehr erheben. Hier zeigt sich mal wieder, dass man vielleicht vorher mal ein paar andere Fachleute als nur die Testcrew des Entwicklers nach einer ehrlichen Meinung hätte fragen sollen.

zockt-Zitat: Klassisch gegen die Wand gefahren.

In-Game-Advertising Toyota Yaris

In-Game-Advertising Toyota Yaris